12 Feb 2010, 11:00pm
Argentinien
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Mein Gipfelerfolg – der Aconcagua in Argentinien ! Teil II

Noch immer lagen etwa 4h bis zum Camp vor uns, aber diese hatten es in sich mit einem Anstieg von 600 Höhenmetern und einigen Serpentinen, die am Ende der Strecke noch einmal viel Kraft von uns verlangten, kamen wir unserem Etappenziel immer näher.

weiter entlang der Normalroute

Endlich ! Nach 8h erreichten wir das Basislager ‚Plaza de Mulas‘ mit leeren Thermosflaschen und viel Hunger. 🙂 Einchecken, Zelte aufbauen, Abendessen und erneut Pulsmessung. Obwohl es mir wirklich gut ging, lag meine Sauerstoffsättigung bei gerade mal 67. Der Tag war eben doch anstrengender als ich dachte. Schließlich verkrochen wir uns alle in unsere Schlafsäcke und freuten uns auf den nächsten Morgen.

Ankunft im Basislager

Eigentlich sollte die Nacht der Erholung dienen, doch die Höhenanpassung machte mir und meinem Zeltmitbewohner, Jens B., ein paar Probleme, so dass wir erst mit dem Aufgehen der Sonne noch ein bisschen Schlaf fanden. Zum Glück lag ein Ruhetag vor uns mit Lesen, Schlafen, in der Sonne sitzen und den Blick auf den Aconcagua genießen.

Gegen Mittag wurde die Ausrüstung für die individuelle Verpflegung im Basis- und Hochlager an jede Gruppe verteilt. Zu zweit waren wir jetzt selbst dafür verantwortlich, unsere Vorräte genau einzuteilen und Mahlzeiten, die nicht von unseren einheimischen Campbetreuern, Nestor und Belèn, gestellt wurden, mit der eigenen Kochausrüstung zuzubereiten.

Am späten Nachmittag lag die Untersuchung im Medizinzelt vor uns, wobei diesmal auch wieder die Lungen abgehört wurden, um die Entwicklung eines eventuellen Lungenödems rechtzeitig erkennen zu können.

Danach saßen wir vor unseren Kochern und warteten, dass die Nudeln endlich gar waren. Also nicht unbedingt nach Packungsanleitung zubereiten, in diesen Höhen geht eben wirklich alles langsamer. 🙂

Die Nacht war auf Grund des Windes ziemlich unruhig und ich war froh, Jens B. ab und zu als ‚mein Heizkissen‘ und ‚Personenschutz‘ an meiner Seite zu haben. 🙂

der erste Ruhetag

Nicht wirklich ausgeschlafen, wartete ein spartanisches Frühstück auf uns mit knusprig, getoastetem Brot, das nur nach längerem Abkratzen der schwarzen Kruste und einer dicken Schicht Nutella bzw.Marmelade einigermaßen genießbar war und natürlich Tee, Tee, Tee – wie immer sehr bekömmlich ! 🙂

Zum Glück war die Sonne auf unserer Seite und so wanderten wir an diesem Morgen auf einen ca.5000m hohen Gipfel (Cerro Bonete) gegenüber des Aconcagua. Beeindruckend war für mich erneut der Büßerschnee – bizarr geformte Schnee/Eis-Formationen, die sich bei hochstehender Sonne und geringer Luftfeuchtigkeit beim Abschmelzen entwickeln.

Teilweise durch diese Eispyramiden steigend, ging es erneut auf schlangenlinienartigen Wegen Schritt für Schritt nach oben.

Drei Stunden Anstieg vom Basislager aus und wir erreichten das Tagesziel, den Gipfel. Die folgende Stunde in der Mittagssonne nutzten wir zur besseren Akklimatisierung und vor allem zum Fotografieren der atemberaubenden Landschaft. Wie gut, dass ich die Banner meiner Sponsoren schon dabei hatte, denn auf dem Aconcagua sollten die Bilder nicht ganz so aussagekräftig werden.

Wobei mich ‚Skipper‘ fragte, ob er der Einzige sei, der diese Reise selbst bezahlt hätte. Ja, gewußt wie ! 🙂

Zurück im Base Camp ließen wir den Tag ruhig ‚ausklingen‘.

auf dem Cerro Bonete (5013m)

Mit dem nächsten Sonnenaufgang ging es zum ersten Höhenlager, dem Nido de Condores, auf 5380m Höhe. Doch der Wind blies uns so eisig um die Nase, dass es kein ‚gemütlicher Aufstieg‘ wurde. Bis zur ersten Pause hatte ich das Gefühl, mein Kreislauf macht gleich ’schlapp‘ und erst wollte ich umkehren. Doch was wäre ich ohne mein Lächeln, meinen Charme und vor allem ‚meine 13 Männer‘ ! 🙂 Bodo nahm einen Teil meines Gepäcks ab und ich stieg etwas langsamer weiter auf, so dass ich das 1.Lager gut erreichte.

auf dem Weg zum Nido de Condores

Im Nido de Condores versteckten wir unter Steinen unsere Zelte und die Verpflegung für eine Übernachtung. Danach stiegen wir wieder ins Basislager ab. 5h benötigten wir hinauf, runter durch Rutschen und Rennen innerhalb von 2h. Ich war (wieder) gut drauf ! 🙂

vom 1.Höhenlager zurück zum Base Camp

Nach einem Ruhetag packten wir diesmal noch unsere Schlafsäcke, Isomatten und Kocher ein, um im Nido de Condores zu übernachten. Wieder auf dem gleichen Weg nach oben, erreichten wir am Nachmittag das Lager.

Wir errichteten unsere Zelte, holten Schnee und warfen unsere Kocher an, um Tee und Essen zu kochen. Diesmal verschonte uns der Wind und wir konnten sogar noch die Wärme der Sonne genießen.

An diesem Abend bekam ich jedoch noch derartige Kopf-und Gliederschmerzen, dass mir nicht mal eine Schmerztablette ein bisschen half. Die ganze Nacht ‚hämmerte‘ es in meinem Kopf und ich fror trotz Daunenschlafsack.

Akklimatisierungsnacht im Nido de Condores

Früh entschied ich mich beim Anstieg zum 2.Höhenlager, dem Camp Berlin, eher wieder ins Basislager abzusteigen und je tiefer ich kam umso besser ging es mir. Viel Flüssigkeit und Ruhe half mir, die körperlichen Beschwerden zu überwinden und 2h nach mir kamen auch schon die Anderen zurück.

vom Nido de Condores zum Basis Lager

Wieder lag ein Tag zum Entspannen und Akklimatisieren vor uns. Einfach nur gemütlich in der Sonne sitzen, lesen, im Zelt liegen und schlafen. Ab und zu lief jeder ein bisschen durchs Basislager, um es auf seine eigene Art und Weise zu erkunden.

Ruhetag

Neben den Möglichkeiten, Emails zu schreiben oder mit ‚den Lieben‘ daheim zu telefonieren, gab es zahlreiche Gelegenheiten, sich kleine Snacks und auch mal ne Cola zu kaufen, denn der Tee war langsam nicht mehr so ‚lecker‘ ! 🙂

Am Abend nach den Wettervorhersagen und unserem alltäglichen Gesundheitscheck entschieden wir uns schon am folgenden Tag ins Camp Berlin aufzubrechen. So begann nach dem Essen noch ein sich schnell ausbreitendes Ein-, Um- und doch wieder Auspacken, um kein kg zu viel zu tragen und dennoch Nichts zu vergessen.

vor dem 1.Gipfelversuch

Gegen 9Uhr starteten wir zur ersten Etappe zum Camp Berlin mit der wichtigsten Ausrüstung für alle Fälle. Ich hatte 10 PowerGels und 5 Tüten PowerGummitierchen als Energiebringer eingepackt. Na, ob das damit mal gut geht! 🙂

Mit einigen Zwischenpausen und genug Flüssigkeit ‚kämpften‘ wir uns – diesmal schon deutlich besser an die Höhe angepasst – Meter für Meter in Richtung Camp.

auf dem Weg zum Camp Berlin

Vorbei am Nido de Condores erreichten wir schon nach etwa 6:30h das 2.Höhenlager, Camp Berlin, in einer Höhe von ca.5900m. Mit einem traumhaften Sonnenuntergang verabschiedeten wir uns von diesem anstrengenden Tag und trafen die letzten Vorbereitungen für den folgenden, geplanten Gipfelaufstieg.

Camp Berlin

ES WAR SO WEIT ! Gegen 5Uhr klingelte der Wecker, wir füllten unsere Thermoskannen auf, ‚quälten‘ uns noch eine dieser Tüten mit Outdoornahrung zur Stärkung rein und zogen uns in ‚Zwiebelform‘, d.h. in mindestens 3 Schichten – Funktionsunterwäsche, Trekkingsachen und schließlich fetter Daunenjacke und Überhose – an. Dazu kamen dann noch Daunenhandschuhe, Mütze, Gletscherbrille und Schalenschuhe. Schon ehe wir aufbrachen, fühlte ich mich wie ein kleines „Michelin-Mädchen“ 🙂

Wir waren die einzige Expeditionsgruppe, die an diesem Tag zum Gipfel aufbrach. Warum ? Das sollten wir bald merken !