12 Feb 2010, 11:01pm
Argentinien
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Mein Gipfelerfolg – der Aconcagua in Argentinien ! Teil I

2 Frauen und 13 Männer auf dem Weg ins Abenteuer – Expedition Aconcagua!

Nachdem wir uns bereits fast alle einmal im November zum Vorbereitungstreffen in Leipzig ein paar Stunden kennenlernen durften, trafen wir uns am 27.12.09 in Frankfurt am Flughafen. Wobei die Fahrt dahin schon zu unserem 1.kleinen Abenteuer wurde, denn wie sollte es anders sein – wir standen im Stau und da wir etwas unter Zeitdruck waren, entschieden wir uns ganz waghalsig den Standstreifen für unser Überholmanöver zu nutzen. ‚Skipper‘ (Jens E.) zog nach rechts und für den Fall der Fälle war ich da, um mir zusätzlich ein paar Sachen unter den Pullover zu stecken und Wehen vorzutäuschen. Wäre dann nur noch zu klären gewesen, wer meiner 4 Mitfahrer der Vater ist.

🙂 Doch ich hatte Glück und wir kamen rechtzeitig am Flughafen an. Übrigens muss ich sagen, dass wohl in den 60ern die Vornamen Jens, Uwe und Holger sehr beliebt zu sein schienen – daraus resultierten diverse Spitznamen einiger Mitstreiter, um Verwechslungen vorzubeugen.

Nacheinander trafen alle am vereinbarten Treffpunkt ein und trotz einiger Umpackaktionen, die die Kosten für Übergewicht sparen sollten, half Peter – unserem Guide – leider auch kein ‚höfliches Diskutieren‘. Ein Entgegenkommen des Bodenpersonals war einfach nicht drin. 🙁

Kaum saßen wir im Flieger, stellte ‚Atze‘ (Jens M.) kurz vor dem Abflug, durch einen Blick aus dem Flugzeugfenster, fest, dass einige unserer Gepäckstücke immer noch draußen auf dem Parkfeld lagen, während das Flugzeug schon zur Startbahn rollte – ‚leichte Panik‘ machte sich bei uns breit, denn ohne unsere Ausrüstung würden wir nicht weit kommen. Der Pilot erhielt die Information und versicherte uns, dass er dies sofort weiterleiten würde.

19.40Uhr startete schließlich Iberia Airline Richtung Madrid nur mit der Hälfte unseres Gepäcks – wenn das mal gut geht ! Kaum in Madrid gegen 22Uhr gelandet, hatten wir nun 1,5 Stunden Zeit bis zum Weiterflug, dachten wir, doch die Anzeige zeigte schon 2 Stunden Verspätung an, die sich im Laufe der Nacht noch auf über 4 Stunden steigerte.

Also liefen wir noch ein bisschen durch den Flughafen, aßen eine Kleinigkeit und sammelten uns dann alle am Gate, um noch Schlaf auf der Isomatte bzw. den zu harten und unbequemen Sitzen zu finden.

4Uhr lagen dann noch 12 Stunden Flug nach Santiago de Chile vor uns, wobei die Stewards (hauptsächlich wirklich Männer – so mancher mit einem femininen touch) zwischendurch anscheinend schliefen, denn einige Passagiere begannen schon die Vorräte zu plündern, da niemand zu erreichen war, um wenigstens etwas zu Trinken zu bekommen. Also Iberia Airline ist nicht gerade empfehlenswert, außerdem hat mich die ständige Weihnachtsdudelei beim Starten und Landen gestört ! 🙂

Es sollte eben nicht nur die Gipfelbesteigung zum Abenteuer werden ! 🙂

Ca. 14Uhr Ortszeit landeten wir in Santiago de Chile und 16.50Uhr startete unser vorerst letzter Flug nach Mendoza. Auf der Fahrt zum Hotel erkannte man schon, dass man in einer teilweise ganz anderen Welt angekommen war mit vielen Gegensätzen und Gegebenheiten, die wir von daheim nicht kennen.

Ich habe mich nur noch aufs Duschen und ein leckeres Abendessen in der Stadt gefreut.

Da wir noch einen Tag länger in Mendoza bleiben mussten, um auf unser fehlendes Gepäck zu warten, ging es nach dem Frühstück erst einmal in einen Outdoor-shop, um Ausschau nach möglicher Ersatz-Ausrüstung zu halten. Mehr als ein paar Kartuschen brauchten wir zum Glück nicht besorgen, denn nach einem ausgedehnten Mittagessen und Bummel durch Mendoza konnten wir den Rest des Gepäcks am Flughafen abholen. Somit stand auch dem abendfüllenden Programm in einer Tango-Bar nichts mehr im Wege.

von Lobstädt über Leipzig nach Frankfurt – Madrid – Santiago de Chile bis Mendoza

auf dem Weg von Santiago de Chile nach Mendoza

Am 3.Tag fuhren wir nach dem Frühstück ins „Subsecretaria de Turismo“ in Mendoza, um unsere Permits abzuholen und danach mit unseren Kleinbussen nach Uspallata, einer argentinischen Kleinstadt in 1700m Höhe im Tal des Arroyo. Dort bezogen wir unsere Zimmer in einem kleinen, gemütlichen Hotel – „El Montanes“ – und dann ging es endlich in die Berge zu einer ersten Akklimatisationstour.

Besorgen der Permit und unsere erste Akklimatisationstour

Einen Weg konnte ich nicht wirklich erkennen. Das einzige Ziel des Tages war – ‚Aufsteigen‘ – egal wo und wie. Daraus resultierten dann all die Kratzer an meinen Waden. 🙂 Nach 4,5 Stunden wurden wir wieder abgeholt und zurück zum Hotel gebracht.

erste Akklimatisationstour

Am Abend konnten wir uns alle auf ein leckeres Steak freuen und die vorerst letzte Nacht in einem einigermaßen bequemen Bett.

in Uspallata

Am 31.12. fuhren wir weiter durch Penitentes (auf ca.2700m Höhe), einem der wichtigsten Skigebiete Argentiniens, dass im Jahr 1979 gebaut wurde und mehr als 300 Hektar Skipisten bietet. Dort konnten wir schon ein imposantes Panorama auf die Berge genießen.

Jetzt mußten wir nur noch unser Hauptgepäck auf der Maultierfarm abgeben. Somit bestand unser Tagesgepäck nur noch aus Schlafsack, Isomatte, vollen Thermoskannen, ein paar Snacks und Klamotten für die nächsten 3 Tage, denn erst im Basislager sollten wir unsere Trekkingtaschen wiederbekommen. Ach ja, ‚Beautycase‘ nicht zu vergessen ! 🙂

von Uspallata über Penitentes zur Maultierfarm

Endlich war es soweit – der Eintritt in den ‚Parque Provinzial Aconcagua‘ – der Einstieg in den Weg zum Gipfel ! Am Eingang des Parks warteten erst die Formalitäten auf uns: Permit vorzeigen, womit unsere Daten aufgenommen wurden und ich für jeden den Namen Waltraud gewann, der Vorname meiner Mutter, der als erstes in meinem Pass und Ausweis steht und so auf meiner Permit landete. 🙂  Arno (eigentlicher Rufname: Bodo) weiß, was ich meine ! 🙂

Nicht zu vergessen, die wichtigsten 2 Begleiter auf unserer Tour, die Müll-und ‚Scheißtüte‘, versehen mit einer personengebundenen Nummer, die wir vom Ranger ausgehändigt bekamen mit den Worten „I will kill you“, wenn wir den Park in irgendeiner Art und Weise verunreinigen bzw.unseren Müll in den Tüten sogar verlieren würden. So wurden diese Tüten mehr bewacht als jeder Glücksbringer ! 🙂

Schließlich starteten wir am frühen Nachmittag zum ersten Abschnitt zum Camp Confluencia auf eine Höhe von 3400m.

Start vom Parkeingang

Kaum angekommen, wurden wir damit beschäftigt, unsere Zelte aufzubauen und mit Steinen zu sichern. Zu meiner Überraschung hatten wir hier sogar ein Toilettenhäuschen mit Spülung, wobei dieser Komfort bald zum Hindernis wurde. Zum Glück hatten wir zwei erfahrene Klempner dabei, die uns vor so mancher ‚Verstopfung‘ bewahren konnten, indem sie das Wasser wieder zum Laufen brachten.

Ankunft im Camp Confluencias

Vor dem Abendessen wartete die campeigene, ärztliche Untersuchung auf uns, wobei die Ärztin Veronica von den Männern gleich eine passende Gesangseinlage bekam mit ‚Veronika der Lenz ist da‘ ! 🙂 Jedenfalls befand sich mein Blutdruck bei 120/85, mein Puls bei 78 und meine Sauerstoffsättigung zeigte 92 an. Damit war ich bereit für die erste Tour am folgenden Tag. Leider ging es nicht allen so gut, aber bis zum nächsten Morgen waren es ja noch ein paar Stunden.

Martin, unser für uns verantwortlicher, einheimischer Versorger in diesem Camp, war doch leicht überfordert mit 15 hungrigen Bergsteigern, aber wir sind alle satt geworden, trotz des fehlenden Knoblauchs. Übrigens war dieser Tag Silvester, aber gegen 23Uhr verkrochen sich alle in ihre Zelte und erst mit dem Sonnenaufgang begannen wir das Jahr 2010.

Warten auf die ärztliche Untersuchung und gemeinsames Abendessen im Zelt

Nach ein paar Stunden Schlaf, der jedoch durch schnarchende Geräusche aus dem Nachbarzelt – ich will hier keine Namen nennen 🙂 – ab und zu unterbrochen wurde, stand nach dem Neujahrsfrühstück eine Akklimatisationstour in die nähere Umgebung an. Mit leichtem Tagesgepäck und natürlich unseren Kameras wanderten wir in Richtung ‚South Face‘ des Aconcagua.

Akklimatisationstour mit Blick auf den Aconcagua

Durch einen Aufstieg an den angrenzenden Geröllhängen bis auf eine Höhe von etwa 4100m konnten wir einen grandiosen Blick auf die Eiswand des Aconcaguas gewinnen und uns gleichzeitig bei einer kleinen Pause noch besser an die Höhe anpassen.

16 Uhr zurück im Camp entschieden wir uns an diesem Abend, Martin zu zeigen wie wir kochen, d.h.mit viel mehr Gewürzen und vor allem ausreichend Knoblauch, wodurch die Durchblutung verbessert und Thrombose vorgebeugt werden kann. So erklärten sich Bodo, ‚Mausi‘ (Uwe G.) und ich bereit, nach einem erneuten ärztlichen Check, diesen Teil zu übernehmen. Doch irgendwie hab ich ‚Mausi‘ vermisst 🙂 , aber das Team ‚Arno und Waltraud‘ hat sich große Mühe gegeben, leckere Pasta zu zaubern. Ich glaube, es war ganz gut – jedenfalls haben alle aufgegessen !

‚South Face‘ des Aconcagua

Am nächsten Morgen lag eine der längsten Etappen vor uns – ca.20km mit endlosen Weiten durch ein Tal, das niemals zu enden schien. Zu Beginn lief noch jeder in seinem Tempo und fotografierte was ihm vor die Linse lief, doch ziemlich schnell merkten wir, dass sich das Panorama so schnell nicht ändern würde. So trabten wir bald einer hinter dem anderen in unseren eigenen Gedanken versunken zwischen den Bergen unserem Ziel entgegen.

vom Camp Confluencia auf dem Weg zum ‚Plaza de Mulas‘