30 Jan 2012, 6:03pm
Ecuador
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Entdeckertour Ecuador Teil III

Jetzt begann der erholsame Teil der Reise durch Ecuador, dachte ich jedenfalls. 🙂

Ziemlich früh am Morgen und mit einem leckeren Frühstück im Bauch wartete eine Panoramafahrt in Alausi auf uns. Etwa 2h von Riobamba liegt dieses kleine Bergstädtchen in 2356mHöhe und bietet ein wunderschöne Bahnfahrt zur ‚Teufelsnase‘ – einem 100m hohen Felsvorsprung indem die Gleise fast übereinander gelegt worden und durch mehrere Spitzkehren miteinander verbunden sind. Diese Zugfahrt gilt heute als echte Touristenattraktion.

Mit traditionellen Tänzen und Handwerkskünsten verzaubern am Ende der Zugfahrt die Einheimischen ihre Gäste aus aller Welt.

Am Nachmittag begleitete uns mal wieder der Regen. Zum Glück saßen wir diesmal im Bus und hofften, dass die Wolken schnell wieder verschwinden. Denn unser Ziel galt am späten Nachmittag noch der Whymper Hut, der auf 5000m gelegenen Schutzhütte, dem Ausgangspunkt zur Besteigung des höchsten Berges/Vulkans Ecuadors, dem Chimborazo (6267m). Trotz Schneegestöber erreichten wir mit den Fahrkünsten unseres Busfahrers die Carrel-Hütte auf 4800m Höhe und alle Hartgesottenen unter uns wanderten schließlich noch die 200 Höhenmeter nach oben. Obwohl uns der Blick auf den Chimborazo verwehrt blieb, freuten wir uns, die 5000m-Marke nochmals erreicht zu haben. 🙂

Im Eiltempo ging es dann zum Bus zurück und begleitet von einem schönen Sonnenuntergang wartete in Riobamba ein gemütliches Abendessen auf uns.

In den nächsten 2 Tagen besichtigten wir die Inkaruine ‚Inkapirca‘, eine der bedeutensten archäologischen Stätten Ecuadors und die drittgrößte Stadt Cuenca im Süden. Dort gewannen wir in wenigen Stunden einen faszinierenden Einblick in diese wunderschöne Stadt mit all ihrer Handwerkskunst. In einer Panamahutfabrik lernten wir den traditionellen Weg der Herstellung kennen und nach einer kleinen Beautysession erwarb mancher von uns noch einen Hut für daheim. 🙂

Das Einzige, das in diesen Tagen wirklich zur Herausforderung wurde, waren die ewig langen Busfahrten. Naja, zum Glück erlaubt es mir meine körperliche Flexibilität, auf 2 Sitzplätzen soviel Bequemlichkeit zu finden, dass es für ein wenig Entspannung und Schlaf reichte. 🙂

Am Abend des 10.Januar 2012 erreichten wir schließlich in der Dunkelheit das kleine Städtchen Baños.

Dieser Ort liegt am Fuße des sehr aktiven Vulkans Tungurahua (5016 m) und gilt als das Tor in Richtung Amazonas Regenwald. Hier herrscht ganzjährig ein angenehmes Klima mit Tageshöchsttemperaturen um 25°C und Baños ist ein richtiger Wallfahrtsort sowie ein wichtiges Touristenzentrum.

Jetzt lag ein Tag vor uns an dem jeder tun und lassen konnte, was er wollte. Na gut, fast alles ! 🙂

Ein Teil unserer Gruppe entschied sich am Abend zuvor bereits für eine Raftingtour, so dass wir uns zu neunt nach dem Frühstück auf den Weg zu einer der vielen Abenteueragenturen machten. Mit einem exklusiven Turbotruck und unseren Guides ging es zu einem der nächstgelegenen Flüsse. Dort gab es die obligatorischen Neoprenanzüge, die wer weiß wieviele andere Touristen schon vor uns trugen – ein Genuß zum Wohlfühlen ! 🙂 und bunte Helme, mit denen wir aussahen wie die Teletubbies.

Nach einer kurzen Einweisung und dem Wissen, egal was passiert, immer zuerst das Paddel zu retten, ging es los. Ich saß mit Christian, Lutz, Jochen und 2 Argentinierinnen im Boot. Knapp 2h dauerte dieses kleine Abenteuer und ich hab soviel gelacht, allein schon durch die Versuche von Christian und Lutz die anderen 2 Mädels zu bezirzen bzw.ihnen deutsche Worte beizubringen. Schließlich ließ uns unser Guide auch ab und zu im Fluss treiben, doch als wir einmal alle außerhalb des Bootes waren und uns selbst reinziehen sollten, ging kein Weg zurück hinein. Selbst als ich mit Hilfe irgendwann wieder drin war und Jochen helfen wollte, konnte ich vor lauter Lachen keine Kraft aufbringen. Es war unheimlich lustig ! 🙂

Auf der Rückfahrt nach Banos gab es noch ein gemeinsames Mittagessen und gegen 14Uhr kamen wir wieder an unserem Hotel an. Ganz schnell hingen wir unsere nassen Badesachen zum Trocknen auf und liefen nochmal in die Stadt. Christian wollte an diesem Nachmittag unbedingt noch ein bisschen Adrenalin-Tourismus betreiben: An der Brücke San Francisco ist der höchste Rope-Swing der Welt installiert. Verrückte können hier Bungee-Jumping like über einem tosenden Fluss in die Tiefe springen, bevor sie vom Seil am Rücken aufgefangen werden.

In einer kleinen Agentur konnte man sich dafür anmelden und naja, ihr wisst schon, unterschreiben, dass für nichts garantiert wird außer den Fall in die Tiefe ! Fragt mich nicht, warum ich da auf einmal auch springen wollte ! 🙂 Jedenfalls ging alles so schnell. Wir liefen noch 5min bis zur Brücke und zuerst sprang Christian – ohne einen Ton von sich zu geben. Und dann war ich dran. TOTAL VERRÜCKT ! Gurt an – Karabiner dran – kurze Einweisung und dann auf diese kleine Plattform am Geländer steigen. Ich hatte solches Herzrasen und dachte nur ‚Was mach ich hier eigentlich ?‘ Der Wind tobte, unter mir der Abgrund und 3…2…1…Fallenlassen ! Ahhh…. ich fing schon an zu schreien als meine Füße noch Kontakt zur Erde besaßen. 🙂                                 Ein Schrei nach Halt im Leben !!!

Mit diesem Adrenalinschub und einem Grinsen im Gesicht begann ein schöner Abend, den ich mit Tanja und Jürgen, Kathrin und Uli und Anja verbrachte. Schön war’s !

Aufstehen ! Die Sonne lacht – hmmm…leider nicht bei uns. Wir wollten eigentlich mit dem Radl einen Teil unserer heutigen Strecke fahren, doch es regnete mal wieder. Schade ! Also rein in den Bus und vorbei ging es an rauschenden Wasserfällen und tiefen Tälern bis zu einer kleinen Überfahrt mit einer Kabelbahn. Gefolgt von einem kurzen Abstecher für eine Abkühlung unterm Wasserfall. Weiter zu einer kleinen Raststelle an der Strasse, an der wir uns zum Mittag auf Fisch freuten und bei diesem Ansturm von 16 Weltenbummlern half Joaquin gleich mal der Köchin. Eben ein Mann für alle Lebenslagen. 🙂

Die restlichen Stunden des Tages verbrachten wir fast ausschließlich im Bus und auf Straßen, die reinste Holperpisten waren, auf dem Weg in den Dschungel. Im Finstern erreichten wir das kleine Dorf Santa Rosa, in dem schon die Einheimischen mit motorbetriebenen Kanus auf uns warteten, die uns zum Yacuma Dschungel Camp brachten. Endlich da und tierisch hungrig. 🙂

Nach dem Abendessen ging dieser lange Tag am Lagerfeuer zu Ende !

Bereits in der Nacht begann es zu regnen und zog sich bis in den Morgen hinein, so dass wir erst ein wenig später unsere Wanderung durch den Dschungel beginnen konnten. Dafür bekamen wir in der Zwischenzeit noch eine kleine ‚Kriegsbemalung‘, die durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Laufe des Tages allmählich wieder verschwand.

Unser einheimischer Guide Leonardo führte uns mit seiner Machete durch die Tiefen des Amazonas Regenwaldes, wobei die angestiegenen Flüsse, die wir teilweise queren mußten, richtig zur Herausforderung wurden. Doch Leonardo und Joaquin gaben ihr letztes Hemd für uns, damit wir trockenen Fußes über die reißenden Bäche kamen. Was für ein Anblick. 🙂

Völlig verschwitzt fing es irgendwann wieder an zu regnen, was bei diesen tropischen Verhältnissen jedoch richtig gut tat. Am Camp angekommen wagten sich alle Mutigen noch in den nahegelegenen Fluss für eine kleine Abkühlung, wobei sich allmählich der vom Wasser mitgetragene Dreck in meinen Badesachen ansammelte. Egal, hauptsache eine Erfrischung auf der Haut – prickelte eben nur ein bisschen. 🙂

Der Tag endete mit dem Auffüllen unserer Kohlenhydratspeicher und einem kleinen Dankeschön an diese tolle Gruppe sowie die Erlebnisse, die wir miteinander geteilt haben !

Ohne Zeitdruck ging es am folgenden Morgen zurück zu unserer Lodge und wer Lust hatte konnte am Nachmittag noch einen kleinen Einblick ins Goldschürfen gewinnen. Zum Entspannen ließen wir uns danach in Gummireifen einen Flusslauf entlangtreiben und Piranhas fischen war auch noch angesagt. Dieser abwechslungsreiche Tag beendete unser Dschungel-Abenteuer.

Obwohl das beste Erlebnis an diesem Tag war kurz vorm Schlafengehen die riesige Kakerlake, die über mein Bett kroch und die ich auch nach einer halben Stunde wilden Suchens nicht auffinden konnte. Ich glaube, das war wohl die unruhigste Nacht, die ich in diesem Urlaub erlebt habe. 🙂

Den krönenden Abschluß auf der Rückfahrt nach Quito bildete ein wunderschönes Thermalbad in den Papallakta Bergen, das wir alle richtig genossen. So manch einer von uns hätte das gern jeden Tag gehabt. Aber wie wir wissen: „Ohne Fleiß kein Preis“ ! 🙂

Ein bisschen wehmütig verbrachten wir den letzten Abend gemeinsam und ließen uns noch einmal die ecuadorianische Küche schmecken.

Am 16.Januar 2012 endete unsere Entdeckertour Ecuador mit einem individuellen Stadtbummel durch die Hauptstadt Quito bevor uns Iberia Airline zurück nach Deutschland brachte.

Ihr Lieben

– Christian, Anja und Harry, Kathrin und Uli, Lutz, Jochen, Markus, Tanja und Jürgen, Birgit und Joachim, Sylvia und Joaquin –

ich danke Euch von ganzem Herzen für jedes gemeinsame Lachen, jede Umarmung, jedes erfolgreiche Quälen zum Ziel sowie das gegenseitige Vertrauen !!!

DANKE !!! ES WAR EINE UNBESCHREIBLICH SCHÖNE ZEIT !

Eure Ulli